Deutschland, krimis

Henrik Siebold. Inspektor Takeda und die Toten von Altona – 1 (2016)

Inspektor Kenjiro Takeda kommt aus Tokio nach Hamburg, um die Arbeitsweise einer deutschen Mordkommission kennenzulernen. In seinem ersten Fall sieht allerdings alles nach Selbstmord aus: Das Ehepaar Haubach scheint sich selber erschossen zu haben. Doch Inspektor Takeda hat da so seine Zweifel …

Gemeinsam mit seiner deutschen Partnerin, der ehrgeizigen Hauptkommissarin Claudia Harms, macht sich Takeda daran, seine Mordtheorie zu untermauern. Dazu müssen beide natürlich erst einmal die Toten näher kennenlernen. Hella und Manfred Haubach betrieben zusammen einen kleinen, nicht rentablen Buchladen, beide schienen aus der linken Szene „übrig geblieben“. Während Hella auch mit Ende 50 noch sehr attraktiv war, hatte Manfred mit einem Alkoholproblem zu kämpfen. Gerüchten zufolge hatte Hella eine Affäre, das Haus, in dem sie wohnten und ihren Laden betrieben, stand kurz vor dem Abriss – vielleicht doch Gründe genug, seinem Leben selber ein Ende zu setzen?

„Der Türke war’s“

Im Haus der Haubachs war die Entmietung in vollem Gange, in dieser Ecke von Altona soll ein neues Einkaufszentrum entstehen und natürlich neue, teure Wohnungen. Davon ist auch der Laden gegenüber betroffen, der der türkischen Familie Yelek gehört. Doch ausgerechnet mit Sohn Baris lag mit Hella Haubach in einem erbitterten Streit. Der gemeinsame Nachbar Günther Debacher hat gehört, wie sich beide wenige Stunden vor dem Mord auf der Straße stritten und Baris der älteren Hella mit dem Tod gedroht hat. Claudia Harms ist skeptisch: Die üblichen ausländerfeindlichen Anfeindungen oder ein ernst zu nehmender Hinweis?

Deutsch-japanische Beziehungen

Takeda und Claudia Harms stehen unter besonderem Druck bei diesem Fall: Wenn sich herausstellt, dass es doch ein Selbstmord war, ist ihnen der Spott der Kollegen sicher und für den Rest von Takedas Aufenthalt in Hamburg werden sie keinen ernsthaften Fall mehr bekommen. Immerhin hat Takeda schnell das Vertrauen seiner Kollegin gewonnen, die dem Neuzugang zunächst mehr als skeptisch gegenüberstand. Hier gibt der Krimi quasi im Vorübergehen interessante Einblicke in die deutsch-japanischen Beziehungen: Takeda hat von seinem Vater ein völlig veraltetes und klischeehaftes Deutschlandbild vermittelt bekommen, und jetzt ist er sehr froh, dass doch nicht alles so sauber, ordentlich und korrekt ist. Claudia Harms musste zur Vorbereitung einen Kurs besuchen, „Japaner verstehen“, und ist sehr erleichtert, dass entgegen der Infos aus dem Kurs ihr neuer japanischer Kollege nicht nur ein sehr guter Kriminalist ist, sondern auch noch ein begnadeter Saxofon-Spieler mit viel Gefühl, überraschenderweise sogar mit Humor … Klischees überwunden.

Spannende Japankunde in Hamburg

Der Fall in Altona entwickelt sich sehr spannend weiter, mit so mancher überraschenden Wendung und politischen Spitze, mit Fremdenfeindlichkeit und Gentrifizierung. Doch was diesen Krimi wirklich zu etwas Besonderem macht, ist die deutsch-japanische Zusammenarbeit, die Einblicke in die japanische Kultur und Wesensart fern von den gängigen Klischees. Hier merkt man, dass der Autor selber in Japan gelebt hat, dass sein Blick nicht an der Oberfläche hängen geblieben ist – und das kann er auch noch sehr unterhaltsam und spannend in einen guten Krimi einbauen. Klasse.

Henrik Siebold. Inspektor Takeda und die Toten von Altona. Berlin: Aufbau Verlag, 2016. (Inspektor Takeda 1)

Mehr zum Autor und zur Serie auf der Autorenseite Henrik Siebold.

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