Deutschland, romane

Christiane Wünsche. Aber Töchter sind wir für immer (2019)

Zum 80. Geburtstag von Vater Hans kommt die ganze Familie Franzen noch einmal zusammen in dem kleinen Haus am Niederrhein. Die drei Töchter, längst flügge, verbringen ein paar Tage mit den Eltern und die Vergangenheit scheint lebendig zu werden. Ein Roman über eine Familie, über unterschiedliche Lebenswege, über unterschiedliche Sichtweisen, übers Vermissen und Verlieren und über die Geborgenheit, die eine Familie geben kann.

Die Schwestern Franzen, Britta, Johanna und Heike, sind für ein paar Tage zu Besuch bei den Eltern Hans und Christa, denn der 80. Geburtstag des Vaters steht an. Noch einmal sind alle zusammen in dem Haus, in dem sie aufgewachsen sind, das Haus von Hans‘ Eltern am Bahndamm mit dem wunderschönen Garten. Hier spüren sie ihrer Kindheit nach, den Erinnerungen und den Beziehungen zueinander, denn natürlich hat es sie schon längst in unterschiedliche Richtungen getrieben.

Die drei Schwestern

Johanna, die Älteste, Mitte 50, ist Staatsanwältin in Berlin. Sie war immer die Kluge, die Unabhängige. Von der Mutter fühlte sie sich zurückgewiesen, für ihre Schwestern tat sie alles. Heike ist zwei Jahre jünger, sie ist der Sonnenschein der Familie. Schon als Kind war sie sehr herzlich, aber auch sehr anlehnungsbedürftig. Mit Mutter Christa war sie ein Herz und eine Seele. Britta, die Erzählerin, ist mit großem Abstand die Jüngste, erst Ende 20, eine Nachzüglerin, von der die Mutter sagt, in ihr seien alle Eigenarten ihrer Töchter im richtigen Maß und Verhältnis versammelt.

… und Hermine

Die vierte Tochter, Hermine, ist schon lange tot. Bis heute scheint sich ein Geheimnis um sie zu ranken. Dass sie schon früh unter Schizophrenie litt, wissen die Schwestern, ihr früher Tod stand wohl mit der Krankheit in Zusammenhang. Britta kann sich an diese Schwester nicht erinnern und fühlt sich ausgeschlossen, weil sie einen wichtigen Teil der Familiengeschichte nicht kennt. Vielleicht auch deshalb beginnt sie, in Hermines Tagebuch zu lesen, das ihr ihr Mann Marcel mitgegeben hat, der damals ein guter Freund von Hermine war.

Lebensgeschichten

Während also die Geschichten der Familienmitglieder einzeln, in die Rahmenhandlung eingeschoben, erzählt werden – Christas Flucht aus Schlesien und ihr harter Neuanfang am Niederrhein, Hans‘ Familienleben als Kind, Johannas bzw. Heikes Kindheit -, lernt auch der Leser Hermine durch ihr Tagebuch kennen. Und das zeichnet das faszinierende Bild einer höchst sensiblen und extrem intelligenten Persönlichkeit. Die einzelnen Erzählstränge verweben sich zur Geschichte der Familie Franzen und die bietet dem Leser einen tiefen Einblick in Familienstrukturen. Auch in die Brüche, so fühlte sich Johanna von ihrer Mutter stets abgelehnt, Mutter Christa allerdings fühlte sich von ihr einfach nie gebraucht. Unterschiedliche Sichtweisen, wie sie in jeder Familie gang und gäbe sind. Keineswegs gewöhnlich ist natürlich ein Familienmitglied wie Hermine, und auch nicht Christas erste Liebe Hermann, den sie noch aus Schlesien kennt, aus den Augen verliert und dann doch wiederfindet …

Eine schöne Familiengeschichte um vier Schwestern – bei der nur leider die Rahmenhandlung über weite Strecken etwas nüchtern und beinahe nichtssagend geraten ist, bevor am Ende Geheimnisse gelüftet werden.

Christiane Wünsche. Aber Töchter sind wir für immer. Frankfurt: S. Fischer Verlage, 2019.

Vielen Dank an das Rezensionsexemplar via NetGalleyDe!

Mehr zur Autorin auf der Autorenseite Christiane Wünsche.

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