Frankreich, krimis

Christine Cazon. Wölfe an der Côte d’Azur – Kommissar Duval 5 (2018)

Kommissar Duval ist mit seinen Kindern für eine Woche zum Skilaufen im Hinterland bei seiner Freundin Annie Chatel. Ausgerechnet in dieser Zeit wird das Skelett eines Mannes entdeckt, abgefressen von Wölfen. Waren sie es auch, die ihn getötet haben? Schafe stehen in diesem Tal schon lange auf dem Speiseplan des Wolfes und die Erbitterung der Bauern gegen die Tiere und ihre Beschützer ist groß – und zu denen gehörte auch der Tote …

Mangels Schnee müssen Duval und Annie ein Alternativprogramm für die Kinder finden und besuchen einen nahe gelegenen Wolfspark. Auf dem Rückweg erhält Annie ein Foto und eine Mail, ein Jäger aus Ste. Agathe hat einen seit letzten Herbst vermissten Ranger des Nationalparks Mercantour gefunden. Nur noch das Skelett war übrig, der Jäger ist sicher, dass der Wolf sich hier gütlich getan hat. Die Pressemitteilung der Polizei spricht allerdings nur von einem tragischen Unfall.

Wölfe gegen Schäfer

Journalistin Annie wollte sowieso schon länger einen Artikel über den Wolf in der Gegend schreiben. Die Wiederansiedlung der Raubtiere polarisiert die Bevölkerung: Naturschützer und Tierliebhaber verteidigen den Wolf und sein Recht auf einen ursprünglichen Lebensraum vehement. Die Bauern und Schafzüchter des Tals sehen vor allem die Probleme, die der Wolf für sie mit sich bringt. Die Herden müssen viel stärker beschützt werden, das ist aufwendig und teuer, macht das mühsame Leben in der abgelegenen Region noch schwieriger. Als Annie mit den ersten Dorfbewohnern spricht, kochen die Emotionen schnell hoch. Wenn der Wolf nicht nur Schafe reißt, sondern tatsächlich auch Menschen umbringt, muss er weg. Es sollte Abschussgenehmigungen geben zur Verteidigung usw.

Duval ermittelt in den Bergen

Kommissar Léon Duval ist zwar außerhalb seines Reviers, aber er hat Urlaub und der mysteriöse Fall interessiert ihn. Er mietet sich ein Zimmer im Dörfchen Ste. Agathe, das dem Tatort am nächsten liegt. Hier kommt er mit vielen Menschen ins Gespräch, die alle viel zu erzählen haben über das einsame Leben im Tal, den Wolf, die Schäden, die er anrichtet, und über den Toten, der einer der größten Verteidiger der Wölfe war. Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ihn ein Wolf „gefressen“ hat? Oder wurde er vorher erschossen? Als Duval den Unglücksort besucht hatte, hatte er jedenfalls eine Patronenhülse gefunden – an der die zuständige Kommissarin aber nicht sonderlich interessiert schien.

Einsamkeit in der Natur

In Ste. Agathe lernt Duval auch Agathe kennen, eine junge Frau, die alleine auf einem einsam gelegenen Hof auf dem Berg wohnt. Sie kannte den Toten recht gut und berichtet auch von einem geplanten Wanderweg, den ein lokaler Politiker initiiert habe … Allerdings hat ja ein Dorfbewohner längst gestanden, den Ranger getötet zu haben – doch Duval glaubt ihm nicht und will den wahren Täter finden. Dabei wird so mancher Spaziergang auf den winterlichen Bergen nötig.

Dörfliches Leben im Hinterland

Auch wenn die Côte d’Azur im Titel des Krimis vorkommt, spielt dieser fünfte Kommissar-Duval-Krimi nicht an der Küste, sondern im Hinterland der Seealpen. Das mag nicht unbedingt den Erwartungen entsprechen, bringt aber Abwechslung: Schnee, Berge, das mühsame Leben der dörflichen Bevölkerung, der Bauern und Schafzüchter, die immer noch versuchen, ihren Lebensunterhalt im Einklang mit der Natur zu verdienen. Diesen Hintergrund vermittelt Autorin Christine Cazon in diesem Krimi sehr anschaulich, ebenso wie die Diskussionen um die Rückkehr des Wolfes. In dieser Umgebung ermittelt Kommissar Duval relativ entspannt, er hat schließlich Urlaub und keinen Druck von oben, aber er möchte den Menschen helfen, die ihm überraschend nahegekommen sind.

Ein netter, unterhaltsamer Krimi, ein sehr interessanter, lebendiger und menschlicher Hintergrund; keine atemlose Spannung oder wilde Action, sondern eher eine ruhige Entwicklung, ein unaufgeregter Stil.

Christine Cazon. Wölfe an der Côte d’Azur. Der fünfte Fall für Kommissar Duval. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2018.

Weitere Infos zur Autorin und zur Serie auf der Autorenseite Christine Cazon.

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