Bücher, Frankreich, krimis

Martin Walker. Bruno Chef de police – Bruno 1 (dt. 2009)

Mit Grand Prix ist in diesem Jahr bereits der neunte Band mit Bruno erschienen – höchste Zeit, auch mal in die Serie hineinzulesen. Im Dorf Saint-Denis im Périgord hat Bruno als Chef de police alles fest im Griff: Er beschützt seine Mitbewohner, organisiert die dörflichen Feste und trainiert die Kinder in Tennis und Rugby. Ein Mord passt so gar nicht in die Idylle.

Benoît Courrèges, genannt Bruno, hat nach seiner Militärzeit den Posten als Chef de police in Saint-Denis angetreten und liebt sein beschauliches Leben dort. Er hat einen Hof renoviert, pflegt seinen Garten, kocht leidenschaftlich gerne und gut und kümmert sich darum, dass seine Mitbewohner keinen Ärger bekommen – zum Beispiel mit den EU-Inspektoren, die auf dem Markt die Einhaltung der Hygienevorschriften überwachen sollen. Trickreich und wortgewandt beschützt er „seine Familie“.

Mord mit Hakenkreuz

Die Idylle wird allerdings nicht nur durch die Inspektoren gestört, sondern durch einen brutalen Mord. Hamid Al-Bakr ist ein ursprünglich aus Algerien stammender Rentner, dekorierter Ex-Soldat der französischen Armee, der sehr zurückgezogen lebte und eigentlich nur zu seinem Sohn, dem Mathematiklehrer Momu, und seinem Enkel Karim Kontakt hatte. Hamid wurde erstochen, in seine Brust ziert ein blutiges Hakenkreuz. Kann das sein? Für Kapitalverbrechen ist Bruno nicht mehr zuständig und die Ermittlungen werden von Jean-Jacques Duroc und Inspectrice Isabelle Perrault von der police nationale übernommen. Doch niemand kennt sich in Saint-Denis und unter seinen Bewohnern besser aus als Bruno, deshalb will Jean-Jacques nicht auf seine Unterstützung verzichten.

Zusammenarbeit der französischen Polizeikräfte

Diese Zusammenarbeit ist zwar nicht sehr eng, aber es gibt auch keine Feindseligkeiten wie sonst gerne in Krimis aus Frankreich. Man unterhält sich freundschaftlich, tauscht Erkenntisse aus, Bruno trägt wesentlich zu den Ermittlungen bei, dafür akzeptiert Jean-Jacques die Weisheit von Brunos Vorgehensweise. Politisches Kalkül hilft Bruno, seine Dorfbewohner herauszuhalten… Die Ermittlungen zum Mordfall führt Bruno unaufgeregt zwischen seinen alltäglichen Tätigkeiten, zu denen auch (mit Details beschriebene) Tennis-Matches oder besondere Essen gehören. Zwei Engländerinnen, die in der Nähe des Ermordeten wohnen, laden Bruno zum Tennis und zum Essen ein, aber auch Inspectrice Isabelle Perrault weckt Brunos Interesse, beim Grillen und bei einem späteren Picknick kann Bruno seine kulinarischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Viel pittoresker Alltag

Bruno Chef de police ist trotz des blutigen Mordes kein rasanter Krimi, sondern eher ein sehr ruhiger Roman, in dessen Mittelpunkt das dörfliche Leben und die kulinarischen Köstlichkeiten des Périgord stehen. Martin Walker gibt ihnen viel Raum und beschreibt Brunos Alltag mit viel Liebe zum Detail. Das Verbrechen kann Bruno aufklären, das Motiv ist in der Vergangenheit, zur Zeit der deutschen Besatzung zu finden – ganz nebenbei spricht Walker hier ein extrem düsteres historisches Kapitel an, das noch nicht alle Bewohner von Saint-Denis vergessen hatten. Doch trotz aller Schrecken findet Bruno eine Möglichkeit, die dörfliche Idylle zu beschützen, und der Autor erzählt auf angenehme Weise, sodass man als Leser zwar einen Einblick in die grausame Vergangenheit der Region erhält, man seinen Wohlfühlaufenthalt im Périgord, bzw. im Roman, aber nicht unterbrechen muss.

Martin Walker. Bruno Chef de police. Zürich: Diogenes Verlag 2009. | Original: Bruno, Chief of Police. London: Quercus, 2008. Übersetzung Michael Windgassen (Bruno 1)

Mehr zum Autor und zur Serie auf der Autorenseite Martin Walker.

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