Gisèle Guillo. Die Schöne von Carnac (2004)

Ein Kameramann auf der Jagd nach einem Sensationsbericht: Politiker, Entführung, Kindesmissbrauch. Dann kommen noch Schmuggel und Hehlerei dazu und eine undurchsichtige Schöne, die der Kameramann scheinbar schon aus einem früheren Fall kannte…

Vincent Hermelin ist Kameramann und dieses Mal ohne seinen Partner, den zuständigen Redakteur, unterwegs. Er folgt einer Spur in die Schweiz, wo er tatsächlich die Ex-Gattin des Ministers findet, die Gerüchten zufolge ihr eigenes Kind entführt. Sie wechselt Autos und Züge, eine regelrechte Organisation scheint sie bei ihrer Flucht zu unterstützen. Hermelin folgt den Spuren, bekommt schließlich auch das Interview mit der Ex-Ministers-Gattin und ihre Beweise für den Missbrauch des Ministers an seinem kleinen Sohn. So wird Sensationsjournalismus gemacht, Vincents Chefs (und er selber natürlich erst recht) sind begeistert.

Die „Schöne“ Charlotte

In die Organisation, die der Frau die Flucht ermöglicht und ihr ein Versteck in der Schweiz bietet, ist auch eine alte Bekannte von Vincent verwickelt, Charlotte Nolac, eine attraktive, erfolgreiche Anwältin in Genf. Eine der Spuren, die er verfolgt, führt in die Nähe von Carnac zum Ferienhaus der Anwältin. Irgendwo kommen auch noch alte Münzen ins Spiel, die Mitglieder der Organisation nebenbei noch transportieren … geklaut? Geschmuggelt? Hängt die charismatische Charlotte mit drin?

Recherche und L’amour

Vincent verfolgt die Spuren zwischen der Schweiz und der Bretagne, fährt hin und her, beobachtet und recherchiert. Aber ob er beide Fälle völlig aufklärt? Seine jungenhafte Schwärmerei für die smarte Anwältin trübt seinen Blick gewaltig – trotz seiner schwangeren Freundin, die in Paris auf ihn wartet.

Schmalspur-„Krimi“

Die Schöne von Carnac gibt sich im Untertitel als Krimi aus, was zumindest insofern stimmt, als dass es vor allem um kriminelle Machenschaften geht. Allerdings wird die Recherche, alias Ermittlung, so oberflächlich erzählt, die Bewegungen des Reporters werden aufgelistet – spannend ist das auf keinen Fall. Die Aufklärung des Falles ist absolut offensichtlich, abgesehen von der Frage, ob Anwältin Charlotte in den Fall verwickelt ist, und diese Frage wird auch nicht beantwortet. Gedanken und Gefühle sind Mangelware, Menschliches findet sich höchstens in der besessenen Schwärmerei Vincents für Charlotte. Nicht einmal die Bretagne erhält den Raum, den der Untertitel verspricht, schade. Warum hat sich bloß jemand die Mühe gemacht, dieses Büchlein zu übersetzen? Und kann es jemanden geben, der die Lektüre genießen könnte???

Gisèle Guillo. Die Schöne von Carnac. Ein Bretagne-Krimi. Bookspot, 2007. | Original: La Belle de Carnac. Editions Alain Bargain, 2004. Übersetzung Bärbel Lange.

Weitere Informationen

der Krimi bei bookspot Edition 211

Weitere Artikel und Rezensionen

auf Buchkritik.at (26.7.2007)
auf buechertreff (16.9.2007)

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One comment

  1. […] Mai 2017 · von Birgit Knape · in Bücher, Krimi · Hinterlasse einen Kommentar […]

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