Daniela Krien. Irgendwann werden wir uns alles erzählen (2011)

Krien, Daniela. Irgendwann werden wir uns alles erzählen (167x250)Mit ihrem Debüt Irgendwann werden wir uns alles erzählen gelang Daniela Krien 2011 ein vielgepriesenes Erstlingswerk. Gleichzeitig karg und intensiv erzählt der Roman die Geschichte einer leidenschaftlichen Affäre zwischen der kaum 17-jährigen Maria und dem 40-jährigen Sonderling (Thorsten) Henner. Die beiden verbindet eine sexuelle Anziehung und die Liebe zur Literatur, schon Letzteres macht sie zu Außenseitern im Dorf.

Es ist Hochsommer in einem Dorf in der DDR, die gerade dabei ist, ihr Leben auszuhauchen. Endzeitgefühle mischen sich mit Aufbruchstimmung, niemand weiß so recht, wie das Leben weitergehen wird. Auf einmal gibt es Möglichkeiten und Chancen, aber kann das bisherige Leben komplett wertlos gewesen sein? Der Neuanfang der DDR als Teil von Gesamtdeutschland durchzieht die ganze Geschichte, auch Maria macht Ausflüge in den Westen, die sie staunen lassen – und überfordern.

Selbstverständlichkeiten

Die junge Maria lebt auf dem Hof der Familie Brendel mit ihrem Freund Johannes im „Spinnenzimmer“ unter dem Dach. Im Mai war sie gekommen, um Johannes Familie kennenzulernen – und ist einfach geblieben. Niemand macht darum Aufhebens, wortlos wird Maria in den Tagesablauf integriert. Während ihr Freund Johannes zur Schule geht und sein Abitur macht, verbringt Maria ihre Zeit gerne mit den Brüdern Karamasov. Von Zeit zu Zeit besteht Familie Brendel auf etwas Hilfe beim Kochen oder Heu machen, dann macht sich Maria ein wenig nützlich. Marias Mutter hat keine Einwände, dass sie auf dem Brendel-Hof wohnt. Gelegentlich besucht Maria die Mutter, die unter der Scheidung von Marias Vater leidet und gerade auch noch ihre Arbeit verloren hat.

Henner

Während Johannes sein Abitur macht, von seinem ersten Westgeld eine Kamera kauft und von da an komplett in eine Welt der Fotografie abtaucht, lernt Maria den Besitzer des Nachbarhofs, Henner, kennen. Der ist schon 40, trinkt, hat Affären, ein tragisches Erlebnis in seiner Vergangenheit macht ihn zu einem geheimnisumwitterten Mann. Bei den Frauen kommt er gut an, er weiß, wie er seinen Charme einsetzen muss. Bei Maria braucht es nicht wirklich Charme, eine Begegnung, eine Berührung und sie scheint ihm verfallen. Sie gibt sich Henner hin, der Sex scheint brutal, sie überlässt sich ihm komplett.

Heimlichkeiten

Maria und Henner halten die Affäre geheim, auch das bedarf keiner Absprache, sondern ist selbstverständlich. Den Sommer über treffen sie sich immer wieder heimlich auf dem Henner-Hof, neben dem Sex sind Bücher und Gedichte ihre gemeinsame Liebe. Ist es eine Liebesgeschichte zwischen den beiden? Oder eher eine verhängnisvolle Affäre? Maria spricht von Liebe, in Henner schaut weder sie noch der Leser hinein. Nach den Sommerferien geht Maria wieder zur Schule, für sie liegt ihre Zukunft bei Henner, wie selbstverständlich plant sie bei ihm zu leben, ihm auf dem Hof zu helfen…

Neuanfang

Zum Ende der Sommerferien wird doch einmal kurz geredet, Maria darf jetzt ganz offiziell auf dem Brendel-Hof bleiben – auch wenn sie andere Pläne hat. Sie will wieder zur Schule gehen, ihre Zeit in der sommerlichen Seifenblase ist beendet. Viele ihrer Gedanken verrät die Ich-Erzählerin nicht, doch es gibt seltene, aber sehr kluge Einblicke. So sagt sie über ihre Mutter: „Sie ging umher in einer Wolke aus Traurigkeit, die schleichend auf mich übergriff und mit steter Kraft an meiner Seele nagte.“ Und mit einem Satz erklärt sich dem Leser, warum Maria so selbstverständlich auf dem Brendel-Hof geblieben war.

Äußerlich schlicht – aber dahinter…

Daniela Krien erzählt die Geschichte von Maria und Henner mit einfachen Sätzen, beschränkt sich meistens auf die offensichtlichen Fakten und Handlungen. In einer schlichten Sprache und in dem einfachen, kargen Alltag auf dem Dorf entwickelt sich die Affäre mit ihrem eigenen starken Zwang… Eine Geschichte, die ohne viel äußere Handlung auskommt, dafür eine innere Dramatik entwickelt, die absolut fesselt. Umso mehr wegen des beeindruckenden Kontrastes zwischen Sprache, bäuerlichem Alltag und Marias besessener Liebe.

Daniela Krien. 2011. Irgendwann werden wir uns alles erzählen. München: Graf Verlag. (Cover der Ausgabe von Ullstein/List, 2012)

Weitere Informationen

Verlagsseite zum Buch bei Ullstein Buchverlage
der Roman bei LovelyBooks
Wikipedia über Autorin Daniela Krien
Trailer zum Roman auf Youtube (20.9.2011)

Weitere Artikel und Rezensionen

auf perlentaucher.de
auf Bücherrezensionen.org (9.8.2011)
„Keine romantische Liebe, sondern Liebesgewalt“ auf Deutschlandradiokultur.de (19.9.2011)
auf Zwischen den Seiten (14.11.2011)
Rita Dell´Agnese auf Belletristik-Couch.de (12/2011)
auf Schöne Seiten (31.1.2012)

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