Kirsten Wulf. Tanz der Tarantel (2014)

Wulf, Kirsten. 2014. Tanz der TarantelAm Morgen um 5.30 h solle Elena von Eschenburg, Fotojournalistin, mit ihrer Kamera in die Kapelle von Santo Paolo kommen – so lautet die SMS, die mitten in der Nacht bei Elena ankommt. Sie kommt von Nicola, einem Musiker, den Elena gerade für eine Reportage porträtiert. Zum vereinbarten Termin am Vortag ist er nicht erschienen, so ist Elena zwar ein bisschen sauer, aber doch neugierig genug, sich auf den Weg zu machen. Sie findet Nicola in der Kapelle – allerdings liegt er tot und im weißen Gewand einer taranta vor dem Altar der Kapelle.

Frühsommer im Salento, es ist bereits heiß und die Luft flirrt. Elena hat sich seit ihrem Umzug nach Lecce vor einem halben Jahr gut eingelebt, ihr Sohn Ben besucht die örtliche Schule und wird von Großonkel und Großtante verwöhnt und behütet. Sogar die eigene Wohnung im Palazzo von Onkel Gigi ist fertig, wo Elena gemeinsam mit Ben und ihrem Freund Michele lebt.

Klassischer Auftakt

Protagonistin Elena kann sich also wieder ihrer Arbeit als Fotojournalistin widmen und arbeitet gerade an einem Portrait des Pizzica-Musikers Nicola Capone, dessen Gruppe sie zufällig bei einem Fest im Nachbarort gehört hatte. Der Krimi beginnt klassisch mit dem Auffinden des Ermordeten – obwohl lange in der Schwebe gelassen wird, ob es sich tatsächlich um Mord handelte und wie das Opfer genau gestorben ist. Elena ist zwar geschockt von ihrem Fund, ganz Fotografin zückt sie trotzdem ihre Kamera und macht etliche Aufnahmen von der Leiche und der Umgebung.

Rückblicke

Nach der ersten Szene blickt die Autorin allerdings immer wieder zurück auf die letzten Tage, in denen sich Elena und Nicola getroffen haben, in denen Elena die Musiker um Nicola kennengelernt hat, in denen ihre Chefin aus Hamburg anreiste, weil sie den Text zum Artikel schreiben will… Eine Weile wird der Krimi etwas verwirrend, weil man als Leser tatsächlich sehr aufpassen muss, ob es sich gerade um einen Rückblick handelt oder eine aktuelle Situation. Andererseits macht diese Erzählweise die Handlung auch interessanter.

Elena unter Mordverdacht

Nachdem Elena den toten Nicola gefunden hat, ist zwar ihre Reportage auch gestorben, aber sie ist natürlich neugierig, wer ihn ermordet haben könnte. Hat sie Nicolas Mörder vielleicht sogar in den letzten Tagen kennengelernt? Dazu kommt die Vorgehensweise der Polizei, die als erstes Elena als Verdächtige verhaften. Glücklicherweise reicht ein Anruf von Onkel Gigi bei seinem neuen Freund Commissario Pantaleo Cozzoli, der zwar gerade in Mailand in einem Mafiaprozess aussagen muss, aber dafür sorgt, dass Elena schnell wieder frei kommt.

Ermittlungsauftrag vom Commissario

Da Cozzoli die Ermittlungen nicht sofort selber aufnehmen kann, er aber seinen Kollegen die Arbeit scheinbar nicht zutraut, beauftragt er quasi Elena mit ein paar Nachforschungen. Er weiß schließlich schon, dass sie sowieso neugierig ist und sich nicht einfach heraushalten wird. Und so spricht Elena mit verschiedenen Menschen aus Nicolas Umfeld, lernt die Musiker besser kennen, lernt viel über die Tradition der Pizzica und die Seele des Salento. Schließlich ist die Musik der Pizzica entstanden, um tanzend die Dämonen auszutreiben, die die Frauen früher nach dem Biss einer Tarantel befallen haben. Doch der Tanz und die Musik dienten seit jeher genauso dazu, sich von anderen Dämonen zu befreien, von Armut und Unterdrückung, von der untergeordneten Rolle der Frau…

Cozy crime mit viel Regionalkultur

Abgesehen von den ersten Szenen, die immer wieder die Zeitebene wechseln, erzählt Kirsten Wulf die Geschichte gut lesbar und eigentlich sehr unaufgeregt. Im Mittelpunkt steht keine spannende, actionreiche Ermittlung, sondern der Tanz der Tarantel, die Musik, die Tradition, die Geschichte der Frauen im Salento. Das bringt die Autorin sehr atmosphärisch rüber, die Krimihandlung scheint nur ein Vorwand für den Ausflug in einige kulturelle Wurzeln der Region. Doch das hat er ja dann mit den meisten Regionalkrimis gemeinsam. Zu diesem Genre liefert Wulf mit Tanz der Tarantel einen guten Beitrag, hartgesottene Krimifans dürften aber eher enttäuscht werden.

Autorin Kirsten Wulf ist Jahrgang 1963. Die gebürtige Hamburgerin hat viele Jahre als Journalistin im Ausland gelebt, seit 2003 in Italien.

Kirsten Wulf. Tanz der Tarantel. Ein Apulien-Krimi. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014. (Cozzoli/Elena von Eschenburg, Bd. 1)

Vorheriger Band:

Wulf, Kirsten. 2013. Aller Anfang ist Apulien. Köln: Kiepenheuer & Witsch. (Cozzoli/Elena von Eschenburg, Bd. 0)

Weitere Informationen

Verlagsseite zum Krimi bei KiWi
der Krimi bei LovelyBooks
Homepage der Autorin Kirsten Wulf

Weitere Artikel und Rezensionen

auf Azzurro diary (7.7.2014)
auf Ruby’s Cinnamon Dreams (23.7.2014)
Corinna Hein auf Buchwurm.info (14.8.2014)
auf KrimiLese (18.9.2014)

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