Gisa Pauly. Flammen im Sand (2010)

Pauly, Gisa. 2010. Flammen im Sand (157x250)In einer Baugrube in List auf Sylt wird ein Skelett entdeckt, Hauptkommissar Erik Wolf und sein Assistent Sören nehmen die Ermittlungen auf. Es stellt sich heraus, dass es sich um die Leiche von Elske Pedersen handelt, die vor fünf Jahren angeblich ihren Mann verlassen hatte. Die Polizei hat allerdings nicht viele Anhaltspunkte – ganz im Gegensatz zu Mamma Carlotta, der Mutter von Eriks verstorbener Frau, die gerade zu Besuch ist: Sie stolpert geradezu über Dubioses und Verdächtiges.

Wenn Mamma Carlotta auf Sylt zu Besuch ist, gibt es im Hause Wolf immer besonders gutes und üppiges italienisches Essen. Denn die Nonna sieht ihre Hauptaufgabe darin, die Familie ihrer Tochter mit anständigem Essen zuversorgen. Das zieht auch Kollegen ihres Schwiegersohns an, sodass Mamma Carlotta so einiges mitbekommt von deren Erkenntnissen.

Mamma Carlotta wird Model

Doch zunächst mal ist es viel aufregender, dass Carlotta als Model auftreten soll. Enkelin Carolin absolviert gerade ein Schulpraktikum im Modeatelier der Schwestern Yvonne Perrette und Geraldine Bertrand. Und bei der anstehenden Modenschau sollen nicht nur Carolin, sondern auch ihre Nonna dabei sein. Als waschechte Italienerin muss Mamma Carlotta jemandem davon erzählen, auch ihren heimlichen Freunden in Käptens Kajüte, einem schäbigen Imbiss.

Der Mörder ist immer der schlagende Ehemann

Dort scheint merkwürdiges zu geschehen, ein paar Renovierungsarbeiten zeugen von plötzlichem Geld, geheimnisvolle Gäste erhalten geheimnisvolle Päckchen – Mamma Carlottas Neugier ist geweckt. Da außerdem das gefundene Skelett zu Elske Pedersen gehört, mit deren Mann Yvonne Perrette jetzt zusammenlebt, hat Carlotta schon zwei Fälle zu lösen. Erst recht, als auch Yvonne verschwindet und ausgerechnet Mamma Carlotta ihre Leiche unter der Biike findet.

Für die italienische Mamma ist von Anfang an klar: der Mörder muss der Ehemann bzw. jetzige Freund sein, wer Frauen schlägt, ermordet sie auch. Und die geklauten Luxusuhren gehen bei ihren Freunden in Käptens Kajüte über den Tresen, was allerdings vertuscht werden muss, eben weil es Freunde sind.

Mamma Carlottas Ermittlungsmethoden

Mamma Carlotta macht sich also an die Aufklärung der Fälle – auf ihre ganz eigene Art. Objektive Gerechtigkeit ist nicht ihr Ziel, sondern sie will die Menschen beschützen, die sie mag, sie will helfen, wissen, sehen. Kein Wunder, dass Schwiegersohn Erik von ihren „Ermittlungen“ besser nichts erfahren darf. Also schnüffelt sie herum, beteiligt sich eifrig am Klatsch der Einheimischen, all das sehr charmant, herzlich und gewitzt, aber nicht immer so heimlich, wie sie denkt. Bei ihrer Offenheit kommt ihr immer wieder der Zufall zur Hilfe, sie sieht oder hört, was eigentlich gar nicht für sie bestimmt ist, liest auch schon mal einen Brief oder schaut heimlich an Orten nach, an denen sie nicht sein sollte.

Krimi light – aber logisch

Flammen im Sand spielt zur Zeit des Biikebrennens auf Sylt, Ende Februar, die Landschaft und auch die Jahreszeit bilden einen interessanten Rahmen um eine Geschichte, die aber eigentlich auch woanders spielen könnte. Die Krimi-Handlung kommt ohne echte Brutalität und Blut aus, sie ist gut konstruiert, als Leserin kann man tatsächlich mitraten, wenn man mag. Oder man kann sich einfach über Mamma Carlottas eigenwillige Ermittlungsmethoden amüsieren, die immer ein wenig italienisch-chaotisch anmuten und sehr humorvoll erzählt sind.

Lesen wie Urlaub

Die Sprache ist sehr gut zu lesen, auch dann noch, wenn Mamma Carlotta die Realität für sich ein wenig zurecht biegen muss, damit sie ihrem Gerechtigkeitssinn entspricht, was schon mal verwickelt sein kann. Die Figuren sind eigentlich durchweg sympathisch, erhalten ein wenig Charakter, aber nicht zu viel – also ist alles gerade richtig, für einen sehr unterhaltsamen und humorvollen Krimi, der sich vermutlich am besten an einem Urlaubsnachmittag auf Sylt lesen ließe. Doch falls das nicht geht, kann man sich während des Lesens den Urlaubsnachmittag wenigstens sehr gut vorstellen. Das ist für eine Leserin doch fast ebenso gut. Oder?

Gisa Pauly. Flammen im Sand. Ein Sylt-Krimi. München: Piper, 2010. (Mamma Carlotta. Bd. 4)

Weitere Informationen

Homepage der Autorin
Verlagsseite des Buches
Leseprobe
Wikipedia-Seite über Autorin Gisa Pauly

Weitere Rezensionen

„Sieben Fragen an Gisa Pauly“ auf Kriminetz (1.1.2013)
Andreas Kürth auf krimi-couch.de (10/2010)

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