Welches Buch lese ich als nächstes?

Welches Buch lese ich als nächstes? – Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Für jeden Leser, für jeden Buchliebhaber, für jeden Buchblogger.

Das Buch, das ich gerade lese, muss zu meiner Stimmung passen, zur Jahreszeit oder zum Wetter, muss sich in den hektischen Alltag quetschen oder darf sich in viel freier Zeit ausbreiten – je nachdem.

Mal bin ich auf der Suche nach einem Zeitvertreib, mal auf der Suche nach Spannung, nach einem fremden Land, nach einem Leben, das sich von meinem komplett unterscheidet. Und dann wieder suche ich eher eine Freundin, eine andere Version mit einem Alltag umzugehen, der dem meinen ähnelt. Intellektuelle Anregung oder seelischer Trost, das richtige Buch zur richtigen Zeit kann so vieles sein.

IMG_1318 (640x480)Meine Vorlieben wechseln. Jahrelang habe ich ausschließlich Krimis verschlungen, davor Liebesschnulzen, danach eher psychologische Romane. Jeweils passend zu den Phasen meines Lebens, wie mir jetzt klar wird: Liebesschnulzen, als ich selber auf der Suche nach „dem Mann fürs Leben“ war; Krimis als die erste Langeweile aufkam; Problem-Romane als sich herausstellte, dass es keinen Mann für ein ganzes Leben gibt.

Jetzt gerade habe ich selber ein paar Sorgen, weshalb ich eher Unterhaltung und Ablenkung suche, als dass ich Lust habe, mich auch noch mit den Problemen meiner Buchhelden auseinander setzen zu müssen. Das Genre wechselt, Liebesroman, Entwicklungsroman, historischer oder anderer Schmöker, Krimi, moderne Karrieretypen, mittelalterliches Hausmütterchen, taffe Kommissarinnen – egal. Hauptsache es gibt etwas, irgendetwas, das mich fesselt. Humor ist natürlich immer ein Pluspunkt.

Allerdings merke ich doch, dass ich mit den Jahren (der Lektüre) anspruchsvoller geworden bin. Anspruchsvoller vielleicht nur dahingehend, dass meine Lektüre perfekt zu meiner Stimmung passen muss. Aber erschreckend viele Bücher empfinde ich als Schrott und frage mich dann, wie der Roman die Hürde Lektor überwinden konnte. Oder noch schlimmer: Wem gefallen diese Bücher? Wer kauft so ein Geschreibsel? Und welcher Lektor hat so einen Blick für den wirtschaftlichen Erfolg eines Buches trotz minderer Qualität??

Bei den Unmengen von Büchern, die laufend auf den Markt drängen, ist es schwer vorab zu wissen, was einem wirklich gefallen und / oder gut tun wird. Jeder Leser, jede Leserin hat da schon Lehrgeld bezahlt. Auch in meinen Regalen gibt es ein paar Bücher, bei denen ich nie über die ersten Seiten hinausgekommen bin – Schund übrigens genauso wie hehre Literatur. (Dass ich Literaturwissenschaft studiert habe, heißt nicht, dass ich einen guten Schmöder oder spannende Krimis nicht zu schätzen wüsste!)

Da das Risiko bei Neuerwerbungen immer so groß ist, habe ich in diesen finanziell nicht so üppig ausgestatteten Zeiten auch nichts dagegen, auf Bücher aus meinem Regal zurückzugreifen. Die Auswahl ist groß. Da gibt es eindeutige Wohlfühlbücher: ich kenne zwar die Handlung schon, aber die sympathischen Figuren sind wie Freunde, bei denen ich immer mal wieder gerne vorbeischaue. Oder Bücher, an deren Handlung ich mich nicht mehr im Detail erinnere, aber ich weiß noch, dass es mir gefallen hatte. Vor ein paar Jahren. Manchmal sorgen auch diese Bücher für interessante Überraschungen, weil ich sie heute ganz anders wahrnehme, manche Dinge anders sehe und beurteile.

Auf jeden Fall finde ich es immer schwierig, aus der Flut der Möglichkeiten das nächste Buch auszuwählen. Am liebsten würde ich gleich ein Dutzend anfangen, aber das wäre wohl nicht sehr sinnvoll. Dass ich ausschließlich Romane lese, schränkt die Auswahl nicht wirklich ein. Auch dass ich Autorinnen bevorzuge, hilft nicht viel.

Unabdingbare Zutaten einer guten Lektüre sind für mich persönlich:

  • eine sympathische, weibliche Figur mit eigenem Charakter (sie muss nicht unbedingt im Zentrum der Handlung stehen)
  • eine interessante Frage oder Problem
  • eine intelligente, in sich schlüssige Handlung
  • eine flüssige, gerne originelle Sprache
  • gerne darf noch ein spannendes Setting dazu kommen – doch gut geschrieben kann auch ein ansonsten ödes Dorf zu einem passenden Hintergrund werden
  • Humor wäre ein Pluspunkt, passt aber natürlich nicht immer

Am Wichtigsten an einem guten Buch sind für mich Intelligenz und Originalität, meine Kriterien für Literatur. Dazu muss noch eine weitere Zutat kommen, die die Geschichte mit Leben, mit Herz, mit Menschlichem füllt: die geheimnisvolle Zutat, die dem Buch eine Seele einhaucht.

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2 Kommentare

  1. Diese Zutaten für eine gute Lektüre merke ich mir gerne, trifft meinem Geschmack voll und ganz. Danke fürs Teilen. VG Sandy

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    1. Leider sind es keine objektiven Kriterien, die einem schon bei der Auswahl des richtigen Buches helfen können. Ob man eine Figur sympathisch findet, ist sehr individuell, ob die Handlung originell ist, hängt ab von den bisherigen (Lektüre-) Erfahrungen des Lesers / der Leserin usw.
      Vielleicht hilft die Zutatenliste trotzdem ein wenig bei der Wahl des nächsten Buches, würde mich freuen. Ich werde es auch selber mal testen. VG bk

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