Alicia Giménez Bartlett. Muertos de Papel / Tote aus Papier (2000, dt. 2003)

Giménez-Bartlett, Alicia. 2000. Tote aus Papier (168x250)„Petra Delicado löst ihren vierten Fall“ lautet der Untertitel zu Tote aus Papier. Kein Zweifel also, dass es sich um einen Krimi handelt. Doch der Roman beginnt mit melancholisch-philosophischen Gedanken der Ich-Erzählerin zu ihrem Aussehen, ihrem Alter, ihrem Leben. Im Kommissariat die erste der typischen, immer sehr eigenwilligen Unterhaltungen mit ihrem Assistenten Fermín Garzón. Die beiden erfahren, dass sie einen Fall „erben“ – sicher kein typischer Anfang für einen Krimi. Die üblichen Krimi-Leser sind vermutlich bereits abgeschreckt.

Der erste Tote ist Ernesto Valdés, Skandalreporter, der mit Vorliebe die Reichen und Berühmten vorgeführt hat. Also eine unüberschaubare Menge an Verdächtiger aus den besten Kreisen. Dass der Mord von einem Auftragskiller ausgeführt wurde, hilft nicht gerade bei den Ermittlungen.

Viele Feinde, doch zunächst wenig Spuren

Valdés arbeitete für eine Zeitschrift in Barcelona, wo Delicado und Garzón sehr schnell seine heimliche Freundin finden, die von gar nichts gewusst haben will. Valdés Ex-Frau reagiert unterkühlt, scheint damit aber etwas zu verbergen. Weitere Spuren finden die beiden Polizisten in Madrid, wo Valdés in einer Fernsehsendung Promis bloßstellte. Und regelmäßig einen geheimnisvollen Mann traf…

Schnell pendeln Delicado und Garzón hektisch zwischen Barcelona und Madrid, in beiden Städten gibt es Spuren und Verdächtige, weitere Tote, hohe Geldsummen ungeklärter Herkunft, Auftragskiller und vernichtete Existenzen. Die beiden Ermittler geraten ganz schön unter Druck und wenden mehr als eine unorthodoxe Methode an, um Ergebnisse zu erhalten. Doch das scheint in Spanien weniger ein Problem zu sein als bei uns.

Aggressiv gegen Machismo

Petra Delicado ist auf jeden Fall eine außergewöhnliche Detektivfigur. Immer wieder gerät sie ins Philosophieren, besonders die Rolle der Frau im spanischen Machismo macht ihr zu schaffen. Doch aggressiv und immer vorlaut mischt sie auch selber kräftig mit. Obwohl sie eindeutig gebildet ist, ist vornehme Zurückhaltung nicht ihre Sache. „Weibliches Zartgefühl“ benutzt sie höchstens gezielt, wenn es den Ermittlungen dient. Die Dialoge mit ihrem Assistenten Garzón sind immer bissig und ironisch, eine Art der Kommunikation, an die sich der Leser erst gewöhnen muss.

Die Sprache holpert mit der Übersetzung

Ein verwickelter Kriminalfall und ein ungewöhnliches Ermittler-Duo – der Krimi macht schon Spaß beim Lesen, wenn man die philosophisch-intellektuellen Anklänge mag. Allerdings stolpert man doch häufig über die Sprache, man merkt ihr die Übersetzung aus dem Spanischen an vielen Stellen allzu deutlich an. Da holpert dann schon mal ein Ausdruck, es ist von einem ‚Anwurf‘ statt ‚Vorwurf‘ die Rede oder Aussagen klingen sehr gestelzt, vermutlich weil Übersetzerin Sybille Martin nah am spanischen Original bleiben wollte. Doch hier könnte man in eine Übersetzungs-Philosophie geraten: Wie sehr sollte die Sprache an die üblichen Gepflogenheiten in der Zielsprache angepasst werden? Oder vermittelt gerade diese leichte Fremdheit, die durch die Übersetzung entsteht, ein besseres Gefühl für Spanien?

Alicia Giménez Bartlett. Tote aus Papier. Petra Delicado löst ihren vierten Fall. Köln: Bastei Lübbe, 2003. | Original: Muertos de Papel. Barcelona: Plaza & Janés, 2000. Übersetzung Sybille Martin. (Petra Delicado, Band 4)

Weitere Informationen

Alicia Giménez Bartlett auf Wikipedia.de
der Roman auf krimi-couch.de (2007)
der Roman auf x-zine.de

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One comment

  1. […] Lektüre meines ersten Krimis mit Petra Delicado (Tote aus Papier) hat mich mit gemischten Gefühlen zurück gelassen, die Übersetzung war mir teilweise “zu […]

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