Brigitta D’Orazio. Die Tränen des Meeres (2009)

D'Orazio, Brigitta. Die Tränen des Meeres (166x250)Die Tränen des Meeres – der Titel lockte mich, das Cover suggerierte einen leichten Sommerroman. Die inhaltliche Ausgangssituation klang vielversprechend: Die Deutsche Marlene führt mit ihrem italienischen Mann Luca das Familienhotel in Cattolica. Der gemeinsame Sohn Matteo ist zwölf, als Luca bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt.

Bis dahin liest sich der Roman von Brigitta D’Orazio auch ganz gut, die Figuren sind noch ein wenig blass, aber die Geschichte kommt ja auch gerade erst in Schwung. Wie wird Marlene mit diesem Verlust zurecht kommen, fragt sich die Leserin voller Mitleid. Aber dann driftet der Roman auch schon ab: nachdem Marlene die Leiche ihres Mannes identifiziert hat, besteht sie, scheinbar unter Schock, darauf, am Bett der anderen Unfall-Beteiligten zu wachen, einer jungen Deutschen. Um Matteo sollen sich derweil Freunde kümmern – ein Verhalten, das die Leserin befremdet und das von der Autorin auch nicht wirklich plausibel gemacht wird.

Tanja kommt nach Italien um ihre Ängste zu besiegen

Es folgt ein Zeitsprung: Etwa ein Jahr später beschließt jene junge Deutsche, Tanja, von Ängsten geplagt, dass sie an den Ort des Unglücks zurückkehren und ihren „Engel Marlene“ finden muss. Die Annäherung gestaltet sich aufgrund der Ängste ein wenig dramatisch. Aber da sich Tanja sofort in einen Mann aus Marlenes Freundeskreis verliebt und auch, welch ein Zufall, eigentlich immer schon in einem Hotel arbeiten wollte, bleibt sie gleich ganz.

Dramatische Ereignisse bahnen sich an

Weiterer Sprung: Fünf Jahre später. Tanja ist inzwischen die beste Hotelmanagerin weit und breit und würde gerne die angebotene Stelle in einem großen Mailänder Hotel annehmen. Aber ein Gefühl düsterer Vorahnung hält sie zurück, ein dramatischer Schicksalsschlag bahnt sich an…

Natürlich gibt es nach aller Dramatik ein Happy End – das genauso unglaubwürdig und klischeebeladen ist wie die ganze Geschichte. Die Sprache ist passend dazu ziemlich plump, häufig schwülstig und effekthascherisch. Man merkt sehr gut, warum Brigitta D’Orazio für „Das Goldene Blatt“ schreibt. Oder vielleicht hat sie auch ihren Schreibstil an die Erwartungen genau dieser Leserschaft angepasst.

Allerdings muss ich zugeben, dass auch ich das Buch zu Ende gelesen habe: teilweise aus Neugier, wie die Geschichte wohl weitergeht, teilweise aus morbider Faszination heraus, wie diese oberflächliche Erzählweise eine an sich nicht uninteressante Geschichte verhunzen kann.

Brigitta D’Orazio. Die Tränen des Meeres. E-Book bei Weltbild Verlag, 2014. Originalausgabe: München: Langen Mueller, 2009.

Weitere Informationen

zur Verlagsseite des E-Books bei Weltbild Verlag (mit Leseprobe)
über Brigitte D’Orazio

Als Gegengewicht empfehle ich gerne die begeisterte Rezension von Tina auf Happy-End-Bücher.de.

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