Bücher – Sehnsucht? Sucht? Oder Flucht?

Bücherwand

Bücher-Besessenheit oder Lese-Sehnsucht?

Die Weihnachtsvorbereitungen haben überall begonnen und damit auch die Zeit der Werbeflut. Die meisten Flyer landen bei mir unbeachtet im Papierkorb, die Broschüren mit Büchern allerdings schaue ich mir mit Begeisterung an. So viele einladende Cover, so viele ansprechende Titel, so viele Bücher, die ich gerne lesen würde. Die ich eigentlich gerne lesen würde! Denn hier beginnt der Frust: Die schiere Flut der Neuerscheinungen erschlägt mich. Selbst wenn ich nur die Bücher herauspicke, die mich wirklich ansprechen, die mir aus dem Prospekt heraus zuschreien „Lies mich!“, selbst dann ergäben diese Titel einen Stapel wie ein Gebirge. Und bei aller Liebe zum Lesen scheint das dann eine Aufgabe, der ich nicht gewachsen bin. Ganz abgesehen natürlich von dem Geld, das ich in einer Buchhandlung lassen müsste, und von dem Platz, den ich eigentlich nicht mehr habe. Natürlich kaufe ich ältere Bücher mittlerweile auch gebraucht, meistens fehlt diesen Büchern nichts, aber sie kosten nur einen Bruchteil des Neupreises. Trotzdem kommt bei so vielen Wunschtiteln ein stattlicher Betrag zusammen.
Aber das Wichtigste ist, dass ich einfach nicht weiß, woher ich die Zeit nehmen soll. Heute gibt es neben den Büchern so viele andere Dinge, die mich interessieren und faszinieren, und natürlich viele Pflichten. Und so gerne ich auch mehr für diesen Blog hier schreiben würde, es fehlt die Zeit. Oder wenn die mal da ist, fehlt die Energie oder die Inspiration oder …

Ich wünschte, ich hätte diesen Blog vor zehn Jahren begonnen. Da hatte ich noch endlos viel Zeit zu lesen und das Geld für Bücher war auch kein Problem. Meine Jüngste war gerade in die Schule gekommen und es gab viel weniger für mich zu tun als vorher. Erst habe ich das Lesen genossen, endlich genug Zeit für andere Welten, für andere Abenteuer. In meinem Leben schien ich ja nicht mehr so gebraucht zu werden. Im „normalen Arbeitsleben“ war auch kein Platz für mich, wie ich erfahren musste.
Wie schön wäre es gewesen, zu dieser Zeit einen Blog über meine Bücher zu machen. Anderen Menschen von den Büchern zu erzählen, die ich gelesen hatte, von den Gedanken rund um die Geschichten, die mich umtrieben. Vielleicht hätte ich mich nicht ganz so sehr in die Bücherwelt zurückgezogen wie ich es getan habe. Vor allem aber hatte ich damals viel Zeit und hätte viel schreiben können.

Heute sieht mein Alltag komplett anders aus, eine Flucht in das Leben anderer Menschen via Buch muss sich auf kurze Stunden beschränken. Deshalb bin ich auch wählerischer geworden, was meine Lektüre angeht, heute begleitet mich ein Buch, die Figuren darin, über eine Woche und nicht nur einen Tag. Wenn ich an ein schlechtes Buch gerate, ärgere ich mich maßlos. Die verschwendete Zeit! Abbrechen kann ich allerdings nur selten, auch ein schlechtes Buch hat vermutlich einen (Möchte-gern-) Autor viel Arbeit gekostet.
Dafür sehe ich jetzt eine Chance, meine Bücher-Besessenheit womöglich zum (Neben-?) Beruf zu machen – zu einer Zeit, in der die Besessenheit weniger stark ist, als in anderen Phasen meines Lebens. Ironie? Jetzt darf ich die Besessenheit wieder zulassen, jetzt brauche ich sie sogar. Angesichts des Bücherberges, der sich vor mir auftürmt, hilft nur die Lese-Sucht, die Lese-Sehnsucht dabei, nicht von vorneherein aufzugeben.
Das sind eigentlich wunderschöne Aussichten: Ich darf mich jetzt mit absolut gutem Gewissen auf meine liebsten Beschäftigungen stürzen: Lesen und darüber schreiben! Was kann es Besseres geben? Bleibt nur noch die Sache mit den Kosten für all die schönen Bücher … den Platz finde ich dann schon!

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3 Kommentare

  1. Zu Weihnachten wünsche ich mir keine Bücher. Stattdessen Zeit zum Lesen. Das wäre perfekt.

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    1. Am liebsten natürlich beides! 😉

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  2. Wenn ich Dostojewski lesen, dann ist es Flucht.
    Ansonsten eher Sehnsucht. Apropos ich muss mal wieder n Killerbuch lesen hihi
    Liebe Grüße, Gregor

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